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Manifest der Berufsverbände- und Organisationen im Kulturbereich

Paris, November 2002

Wir, die Vertreter aller kulturellen Disziplinen, der Musik, der darstellenden Künste, des Verlagswesen, der bildenden Künste, des Films, des Fernsehens, wir, die Vertreter der Gesellschaften, Verbände oder Gewerkschaften

bekräftigen,

  • dass die Gedankenfreiheit und die Freiheit des künstlerischen Schaffens untrennbar verbunden ist mit der kulturellen Vielfalt;
  • dass die Werke des Geistes nicht allein auf ihre Dimension als Ware reduziert werden können;
  • dass die fortschreitende Globalisierung dahin tendiert, die Werke des Geistes ausschließlich den Gesetzen des Marktes zu unterwerfen, wie man dies gleichfalls in den Bereichen des Gesundheitswesens, der Erziehung und Ausbildung und der Umwelt feststellt;
  • dass das Recht der Völker auf lebendige Kulturen, das gemeinsame Erbe der Menschheit, dauerhaft gemacht werden muss;
  • dass gegenwärtig die kulturelle Vielfalt durch kulturelle Ausnahme erreicht wird.

Wir erinnern daran,

  • dass Demokratie und Menschenrechte nicht begriffen werden können ohne die Pluralität des geistigen und künstlerischen Ausdrucks;
  • dass jegliche Form von kultureller Hegemonie, als Faktor der Uniformierung, diese Pluralität bedroht;
  • dass der Staat und und die regionalen Organisationen die Verantwortung tragen, eine Politik zu betreiben, die kulturelle Verschiedenheit garantiert;
  • dass die neuen Arten seiner Verbreitung keineswegs die Natur eines Werks verändern;
  • dass die Logik der WTO eine Unterwerfung aller Bereiche unter die Gesetze des Marktes induziert, einschließlich der Kultur, und dieser eine unangemessene Liberalisierung aufzwingt, die zudem noch unumkehrbar ist;
  • dass von nun an ein offensives Vorgehen notwendig ist, um den Begriff der „kulturellen Ausnahme“ zu konsolidieren, der unter dem Druck der Vertreter der kulturellen Berufe anläßlich der Uruguay-Runde 1993 zustande kam.

Wir verlangen daher,

  • dass die Staaten und regionalen Zusammenschlüsse wie die Europäische Union, in Freiheit ihre Kulturpolitik definieren können, sowohl im Hinblick auf Unterstützung des künstlerischen Schaffens, als auch im Hinblick auf Hilfsmassnahmen für die Produktion, die Verbreitung und den Austausch geistiger Werke;
  • dass die Staaten sich dafür einsetzen, die Vielfalt der kulturellen Unternehmen zu begünstigen, öffentliche Kulturbetriebe zu errichten oder aufrechtzuerhalten und Konzentrationsvorgänge zu kontrollieren,
  • dass die Staaten das Urheberrecht und benachbarte Rechte schützen und verstärken,
  • dass die Staaten es ablehnen, sich in den Verhandlungen bei der WTO auf Liberalisierungen im kulturellen Bereich zu verpflichten, auch was die neuen Arten der Verbreitung betrifft;
  • dass auf die Kultur Regeln angewendet werden, die ihrer Spezifik Rechnung tragen, und zwar durch die Etablierung eines internationalen juristischen Instrumentes mit Zwangsfunktion, das es ermöglicht, den Bereich der Kultur definitiv aus jeder Instanz kommerzieller Verhandlungen auszuschließen, ob es sich um die WTO odere andere Instanzen handelt.

Zu diesem Zweck bekräftigt das Wachsamkeitskomitee sein Bestreben, alle im Kulturbereich tätigen Personen und Institutionen zu sammeln, sich den laufenden Liberalisierungsprojekten zu widersetzen und zur Ausarbeitung eines internationalen Vertrags über die kulturelle Vielfalt beizutragen.

 

ADAGP (Auteurs des Arts Graphiques et Plastiques) Urheberverband der Graphiker und Bildenden Künstler
ADAMI (Société civile pour l’administration des droits des artistes et musiciens) Gesellschaft bürgerlichen Rechts für die Verwaltung der Urheberrerechte von Künstlern und Musikern
ADDOC (Association des cinéastes documenaristes) Verband der Dokumentarfilmer
AFCAE ( Association Française des Cinémas d’Art et d’Essai) Französischer Verband der künstlerischen und experimentellen Filmtheater
ARP (Société civile des auteurs, réalisateurs, producteurs) Gesellschaft bürgerlichen Rechts der Autoren, Film- und Fernsehregisseure und Produzenten
CSPEFF (Chambre syndicale des producteurs et exportateurs de films français) Verbandskammer der Produzenten und Exporteure französischer Filme
CPE (Club des producteurs européens) Klub europäischer Produzenten
CPE (Conseil permanent des écrivains) Permanenter Rat der Schriftsteller
ETATS GENERAUX DE LA CULTURE Generalstände der Kultur
FASAP–FO (Fédération des syndicats des spectacles, de la presse et de l’audiovisuel –Force Ouvríère) Bund der Gewerkschaften Theater, Presse und Fernsehen – Force Ouvrière
FERA (Fédération européenne des réalisateurs de l’audiovisuel) Bund europäischer Fernsehregisseure
FNSAC-CGT (Fédération des syndicats CGT du spectacle) Bund der Gewerkschaften Darstellende Künste CGT
GROUPE 25 IMAGES
PROCIREP (Société civile des producteurs de cinéma et de télévision) Gesellschaft bürgerlichen Rechts der Film- und Fernsehproduzenten
MAISON DES ECRIVAINS Haus der Schriftsteller
SACD (Société des auteurs et compositeurs dramatiques) Gesellschaft der dramatischen Schriftsteller und Komponisten
SACEM (Sociéte des auteurs, compositeurs et éditeurs de musique) Gesellschaft der Komponisten, Musikautoren und –verleger
SCAM (Société civile des auteurs multimédia) Gesellschaft bürgerlichen Rechts der Multimedia-Autoren
SCELF (Société civile de l’édition littéraire française) Gesellschaft bürgerlichen Rechts des französischen literarischen Verlagswesens
SDI (Syndicat des distributeurs indépendants) Verband unabhängiger Filmverleiher
SFA-CGT (Syndicat français des artistes interprètes CGT) Französische Gewerkschaft künstlerischer Interpreten CGT
SFR-CGT (Syndicat français des réalisateurs CGT) Französiche Gewerkschaft der Film- und Fernsehregisseure
SGDL (Société des gens de lettres) Gesellschaft der Schriftsteller und Publizisten
SNAC (Syndicat national des auteurs et compositeurs) Nationale Gewerkschaft der Autoren und Komponisten

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